Der Nette Mann von Nebenan (Part I)

Sie drückte ab. Noch im selben Moment spürte sie den Rückschlag der Waffe. Gleichzeitig wusste sie, dass die Kugel ihr Ziel erreichen würde. Sekundenbruchteile später durchbohrte sie den Schädel von Herrn B. Das Blut spritzte Jenny in die Augen. Reflexartig schloss sie diese. Ihr ganzes Gesicht war voll mit der warmen Flüssigkeit.

Sie kannte dieses Gefühl.

Sonst hatte die Flüssigkeit aber immer eine andere Farbe gehabt.

Es hatte vor 5 Jahren angefangen. Seitdem hatte sich ihr Leben in einen Alptraum verwandelt.

Kurz nach ihrem 7. Geburtstag waren ihre Eltern ausgegangen um ihren Hochzeitstag zu feiern. Der Nette Herr B. von nebenan hatte sich dazu bereit erklärt, auf Jenny aufzupassen. Es war ein schöner Abend gewesen. Die beiden hatten zusammen Fern gesehen und gespielt. Darum baten Jennys Eltern Herrn B. nun öfters mal darum auf ihre Tochter aufzupassen. Dieser tat dies sehr gerne.

Der Alptraum begann ungefähr beim dritten oder vierten Besuch des Herrn B.

An diesem Abend brachte Herr B. eine DVD mit. Dies tat er öfters. Sie hatten sich auf Papas neuem Fernseher schon "Findet Nemo", "Ariell" und den "König der Löwen" angeschaut.

Aber an dieses Mal war es kein Zeichentrick-Film gewesen. Er sagte, dies sei eine Liebesgeschichte. Er erklärte ihr, sie sei jetzt alt genug zu erfahren, woher die Bebies kamen. Dies hatte sie sich schon eine Weile gefragt. Sie war neugierig und war froh endlich eine Antwort auf ihre Fragen zu erhalten.

Der Film fing ganz normal an. Eine Frau hatte ein Problem mit ihrer Heizung und rief einen Klempner. Dieser kam auch sofort. Aber plötzlich zogen die beiden sich aus und fingen an sich überall am Körper zu berühren und zu küssen.

Jenny verstand die Welt nicht mehr. Sie verstand nicht was das mit den Bebies zu tun hatte. Sie verstand auch nicht warum die beiden anfingen zu stöhnen, ja sogar zu schreien. Die Frau sah aus, als ob sie Schmerzen hätte.

Wenige Wochen später war Jenny sich sicher, dass die arme Frau Schmerzen hatte.

Jedes Mal, wenn Herr B. auf Jenny aufpasste, brachte diesen und ähnliche Filme mit. Immer zogen sich die Schauspieler aus. Immer stöhnten die Frauen. Und immer ekelte sich Jenny.

Aber Herr B. sagte jedes Mal, dass dies nur so aussehe und dass es sehr viel Spaß machen würde. Trotzdem dürfe Jenny ihren Eltern nicht erzählen, dass sie solche Filme schauten. Es sei zwar normal, dass Mädchen im Alter von 7 Jahren erfuhren, woher die Bebies kamen. Jennys Eltern allerdings wollten das nicht. Dies wiederholte Herr B. bei jedem seiner Besuche. "Deine Eltern sind Spielverderber. Sie wollen nicht, dass wir Spaß haben." Jenny glaubte ihm.

Als sie wieder einmal im Wohnzimmer saßen und einen dieser Filme schauten, fragte Herr B. Jenny beiläufig, ob sie denn nicht neugierig sei, wie sich das Baby-Kriegen denn so anfühlte. Als er dies sagte, nahm er ihre Hand und legte sie in seinen Schoß. Jenny merkte, wie sich etwas unter ihrer Hand aufrichtete. Sie wollte ihre Hand wegziehen, aber Herr B. hielt sie fest umklammert. Jenny bekam Angst, konnte sich aber nicht wehren. Sie war einfach viel zu jung und daher nicht stark genug.

Als Jenny an diesem Abend in ihrem Bett lag, hatte sie immer noch diesen ekelhaften Geschmack im Mund. Selbst das Zähneputzen konnte diesem Geschmack nichts anhaben.

Aber viel schlimmer als der Geschmack waren die Erinnerungen, die sie von nun an in jeder Nacht in ihren Träumen heimsuchten.

Nach diesem Abend war für Jenny nichts mehr wie es einmal war.

 

 

 

 

11.10.07 18:19

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