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Der Kommerz und seine Folgen für den Fußball

Seit einiger Zeit wird in regelmäßigen Abständen über die immergleichen Themen debattiert. Die Forderung nach Tor-Kamera, Video-Beweis und Diskussionen über überharte Fouls sind so alt, dass sie schon einen Bart von hier bis nach Taka-Tuka-Land haben.

Allerdings sind diese Debatten im Gesamt-Kontext sehr besorgniserregend. Meiner Meinung nach sind sie Symptome der um sich greifenden Kommerzialisierung des Fußballs.

Sie zeigen, dass die Öffentlichkeit, in Form von Medien, aber auch einem großen Teil der Zuschauer, nicht an Menschlichem im Geschäft Fußball interessiert sind. Viel mehr wird versucht alles Menschliche aus diesem Sport, der für viele von uns viel mehr ist, zu verbannen. Wie sonst ist zu erklären, dass Emotionen als etwas Verwerfliches dargestellt werden? Es ist, war und wird auch hoffentlich immer menschlich sein, auch mal Wut, Trauer usw. ausleben zu wollen. Warum sollten da Fußball-Fans und Spieler eine Ausnahme bilden?

Genauso menschlich ist es, Fehler zu machen. Das gehört zum Leben einfach dazu. Ich verstehe einfach nicht, warum man es als erstrebenswert ansieht, alle menschlichen Fehler vom Fußball fernzuhalten. Wenn ein Schiedsrichter wiederholt krasse Fehlentscheidungen produziert, dann kann man darüber reden, ob er für den Profi-Fußball geschaffen ist.

Aber wozu soll man denn bitte jede Entscheidung dieser Menschen noch während eines Spieles aus zig verschiedenen Blickwineln beleuchten und korrigieren? Mal davon abgesehen, dass dies sehr schwer zu bewerkstelligen wäre.

Ich lege mich da fest: Video-Beweis und Konsorten wären der Tod des Fußalls.

Hier ein Artikel, der sich mit diesem Thema beschäftigt: http://www.sport1.de/de/sport/artikel_1761686.html. Meiner Meinung dazu ist so ziemlich die gleiche, wie Rudi Völler (letzter Abschnitt). Die Tatsachenentscheidung ist einfach ein wichtiger Teil des Faszinosiums Fußball.

Kommen wir zurück zur Kommerzialisierung.

Seitdem bekannt wurde, dass Deutschland 2006 die WM austragen würde, wurde diese immer weiter vorangetrieben. Vor allem in den lezten Monaten vor, aber auch seit der WM, nahm sie Züge einer Gleichschaltung an.

Kritische Töne wurden nicht erhört bzw. mit "Friede-Freude-Eierkuchen-Gehabe" übertüncht. Das Fußball-Stadion wurde zum rechtsfreien Raum. Vor allem die Problematik rund um die Stadionverbote zeigt, dass die Öffentlichkeit zu großen Teilen kein Interesse mehr am Sport Fußball hat. Nein, viel mehr ist das Geschäft mit dem selbigen in den Vordergrund getreten.

Und hierbei stören einfach kritische Fans. Diese sollen gerne für Stimmung sorgen, damit man bei Sponsoren mit dem "Hexenkessel" punkten kann. Aber wehe diese Fans wagen es, irgendwelche Rechte einzufordern. Oder noch schlimmer, sich erlauben, eine eigene Meinung zu haben und diese auch noch laut kundzutun.

Im Zuge dieser Gleichschaltung wird versucht, alles im Keim zu ersticken, dass anders ist. Ein besonders gutes Lied davon singen kann die deutsche Ultra-Szene. Dass diese auch nicht heilig ist, ist nicht von der Hand zu weisen.

Allerdings ist es unerträglich wie der Rechtstaat vom DFB und der DFL mit Füßen getreten wird. Stadionverbote ohne Verfahren erinnern an Methoden, die man längst hinter sich gelassen geglaubt hatte.

Fast noch schlimmer ist das Verhalten der Medien. Wenn es je auch nur einen Beitrag/ Artikel gegeben hat, der sich komplett kritisch zur Vergabe von Stadioverboten geäußert hat, so habe ich diesen nicht wahrgenommen. Viel lieber wird darüber diskutiert, wie man am besten alles Menschliche aus diesem Sport austreiben kann (s. Tor-Kamera etc.). Oder man beschäftigt sich damit einzelne Spieler oder Trainer in was weiß ich denn was für Sphären zu loben, nur um die selben Menschen, ich wiederhole Menschen, zwei Wochen später zum Teufel zu wünschen. Längst ist es nicht mehr nur der Boulevard, der sich so verhält.

Ein weiteres Indiz für die Überhand nehmende Kommerzialisierung sind die Auftritte von Sponsoren und Investoren in der jüngeren Vergangenheit. Vor allem das Gebahren des Dortmunder Hauptsponsors "Evonik" ist nur schwer zu ertragen. Die riesige, komplett unnütze Block-Fahne als "Geschenk" an die Fans ist ein beeindruckendes Dokument der Kommerzialisierung. Ähnliches findet sich übrigens auch beim FC Bayern und bei unseren "Freunden" aus GE.

Apropos GE. Selbst die Rivalität zwischen Dortmund und denen da drüben bleibt von der Gleichschaltung nicht verschont. Im Vorfeld des diesjährigen Derbys (mal wieder eine Schmach für uns) wurde sich auf höchster Ebene darauf verständigt, dass man sich doch bitte gegenseitig lieb zu haben habe. Wo vor 20 Jahren genau dieser Hass faszinierte, passt diese menschliche Regung einfach nicht mehr in das Bild des alles und alle um sich herum liebenden Fußball-Fan, den sich Medien und Vereine doch so sehnlichst wünschen.

An sich wird jede Art von Tradition zu Grabe getragen. Deutschland ist nachweislich das Land mit den schönsten (obwohl das ja bekanntlich Geschmackssache bleibt) und modernsten Stadien der Welt. Aber was rede ich denn da? Nein, in Deutschland gibt es keine Stadien mehr. Die heißen jetzt Arena oder Park. Und vergessen sind die Tage in denen die Stadion-Namen einen Bezug zur Region oder zu verdienten Spielern des Vereins hatten. Nein, hier bei uns in Deutschland haben die schönen neuen Stadien so klangvolle Namen wie "E@sy-Credit-Stadion" oder "HSH-Nordbank-Arena". Letztere hat, was viele Traditionalisten geärgert haben dürfte, den ebenso klangvollen Namen "AOL-Arena" ablegen müssen.

Und warum zur Hölle sollte man sich eigentlich an so dämliche Traditionen wie Vereins-Farben halten?!? So wurde in Bremen z.B. ziemlich erfolgreich die Farbe orange auf Trikots und Fan-Artikeln etabliert. Wer mir den Bezug zum Verein Werder Bremen erklären kann, nur zu.

Gott sei Dank mit weniger Erfolg wurde letzes Jahr versucht die Farbe weiß in Dortmund salonfähig zu machen. Dieses Beispiel zeigt gleichzeitig, dass trotz allem die Fans sich manchmal halt doch durchsetzen können.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich diese Entwicklung durch das Engagement von Fußball-Fans wenn nicht stoppen, dann wenigstens verlangsamen lässt.

Ich bedanke mich bei denen, die es bis hier hin durchgehalten haben.

Eure Stimme aus der Gosse

1 Kommentar 4.10.07 00:25, kommentieren

Der Nette Mann von Nebenan (Part I)

Sie drückte ab. Noch im selben Moment spürte sie den Rückschlag der Waffe. Gleichzeitig wusste sie, dass die Kugel ihr Ziel erreichen würde. Sekundenbruchteile später durchbohrte sie den Schädel von Herrn B. Das Blut spritzte Jenny in die Augen. Reflexartig schloss sie diese. Ihr ganzes Gesicht war voll mit der warmen Flüssigkeit.

Sie kannte dieses Gefühl.

Sonst hatte die Flüssigkeit aber immer eine andere Farbe gehabt.

Es hatte vor 5 Jahren angefangen. Seitdem hatte sich ihr Leben in einen Alptraum verwandelt.

Kurz nach ihrem 7. Geburtstag waren ihre Eltern ausgegangen um ihren Hochzeitstag zu feiern. Der Nette Herr B. von nebenan hatte sich dazu bereit erklärt, auf Jenny aufzupassen. Es war ein schöner Abend gewesen. Die beiden hatten zusammen Fern gesehen und gespielt. Darum baten Jennys Eltern Herrn B. nun öfters mal darum auf ihre Tochter aufzupassen. Dieser tat dies sehr gerne.

Der Alptraum begann ungefähr beim dritten oder vierten Besuch des Herrn B.

An diesem Abend brachte Herr B. eine DVD mit. Dies tat er öfters. Sie hatten sich auf Papas neuem Fernseher schon "Findet Nemo", "Ariell" und den "König der Löwen" angeschaut.

Aber an dieses Mal war es kein Zeichentrick-Film gewesen. Er sagte, dies sei eine Liebesgeschichte. Er erklärte ihr, sie sei jetzt alt genug zu erfahren, woher die Bebies kamen. Dies hatte sie sich schon eine Weile gefragt. Sie war neugierig und war froh endlich eine Antwort auf ihre Fragen zu erhalten.

Der Film fing ganz normal an. Eine Frau hatte ein Problem mit ihrer Heizung und rief einen Klempner. Dieser kam auch sofort. Aber plötzlich zogen die beiden sich aus und fingen an sich überall am Körper zu berühren und zu küssen.

Jenny verstand die Welt nicht mehr. Sie verstand nicht was das mit den Bebies zu tun hatte. Sie verstand auch nicht warum die beiden anfingen zu stöhnen, ja sogar zu schreien. Die Frau sah aus, als ob sie Schmerzen hätte.

Wenige Wochen später war Jenny sich sicher, dass die arme Frau Schmerzen hatte.

Jedes Mal, wenn Herr B. auf Jenny aufpasste, brachte diesen und ähnliche Filme mit. Immer zogen sich die Schauspieler aus. Immer stöhnten die Frauen. Und immer ekelte sich Jenny.

Aber Herr B. sagte jedes Mal, dass dies nur so aussehe und dass es sehr viel Spaß machen würde. Trotzdem dürfe Jenny ihren Eltern nicht erzählen, dass sie solche Filme schauten. Es sei zwar normal, dass Mädchen im Alter von 7 Jahren erfuhren, woher die Bebies kamen. Jennys Eltern allerdings wollten das nicht. Dies wiederholte Herr B. bei jedem seiner Besuche. "Deine Eltern sind Spielverderber. Sie wollen nicht, dass wir Spaß haben." Jenny glaubte ihm.

Als sie wieder einmal im Wohnzimmer saßen und einen dieser Filme schauten, fragte Herr B. Jenny beiläufig, ob sie denn nicht neugierig sei, wie sich das Baby-Kriegen denn so anfühlte. Als er dies sagte, nahm er ihre Hand und legte sie in seinen Schoß. Jenny merkte, wie sich etwas unter ihrer Hand aufrichtete. Sie wollte ihre Hand wegziehen, aber Herr B. hielt sie fest umklammert. Jenny bekam Angst, konnte sich aber nicht wehren. Sie war einfach viel zu jung und daher nicht stark genug.

Als Jenny an diesem Abend in ihrem Bett lag, hatte sie immer noch diesen ekelhaften Geschmack im Mund. Selbst das Zähneputzen konnte diesem Geschmack nichts anhaben.

Aber viel schlimmer als der Geschmack waren die Erinnerungen, die sie von nun an in jeder Nacht in ihren Träumen heimsuchten.

Nach diesem Abend war für Jenny nichts mehr wie es einmal war.

 

 

 

 

11.10.07 18:19, kommentieren

Der Nette Mann von Nebenan (Part II)

Jedes mal, wenn der nette Herr B. von nebenan auf sie aufpasste, hatte er sich in der Zwischenzeit eine neue Methode ausgedacht, um den letzten Fetzen kindlicher Unschuld und Unbekümmertheit unwiderruflich aus ihrer Seele zu verbannen.

Jenny dachte es wäre ihre Schuld. Sie versuchte sich einzureden, dass es ihr Spaß machte. Dass die Schmerzen in ihrem Unterleib, wenn Herr B. in sie drang, normal seien. Dass sie sich daran nur gewöhnen müsse. Dass Herr B. Recht hatte und alle Mädchen in ihrem Alter Schmerzen hätten. Dass sie dann aber froh seien, es immer wieder machen zu können. 

"Denn nur durch viel Übung ist ein Mädchen später in der Lage, seinen Ehemann zu befriedigen. Du kannst dich glücklich schätzen, dass ich mit dir übe. Denn ohne dieses Training würdest später gar keinen Ehemann haben können. Und dann wären deine Mama und dein Papa doch enttäuscht. Und das wollen wir doch nicht.", wiederholte Herr B. jedes Mal wenn Jenny ihn anflehte aufzuhören weil sie die Schmerzen nicht ertrug.

Dieser Alptraum zog sich über 5 Jahre.

Jenny war ein psychisches Wrack. Sie verzweifelte zusehends. Sie machte sich Vorwürfe, dass es ihr keinen Spaß machte. Der nette Herr B. von nebenan war so freundlich ihr alles für die Ehe nötige beizubringen und sie hatte nichts anderes zu tun, als bei jeder Übungseinheit, wie Jenny es nannte, zu jammern. Sie war Herrn B. dankbar, dass er es so lange mit ihr aushielt.

Bis zu diesem Tag.

Sie war gerade 12 geworden. Herr B. würde an diesem Abend wieder mit ihr für die Ehe üben, wenn die Eltern ausgingen.

Um sich von ihren Schuldgefühlen abzulenken, las sie Zeitung. Zufällig stolperte sie über einen Artikel über einen Mann, der für lange Zeit ins Gefängnis musste, weil er mit Kindern für die Ehe geübt hatte. So stand es nicht in der Zeitung. Aber Jenny kamen die Sachen bekannt vor, deren sich der Mann schuldig bekannt hatte. Sie las selten Zeitung und noch seltener sah sie Nachrichten, sonst hätte sie es viel früher verstanden.

Aber in diesem Moment machte es bei ihr Klick. Sie verstand von einem Moment auf den anderen, dass ihre Schuldgefühle verkehrt waren. Plötzlich wusste sie, wer diese Gefühle, diese Ängste, diese Qualen wirklich verdient hatte:

Der Nette Mann von nebenan.

Jenny beschloss selbst etwas zu tun, sodass dieses Monster ihr nie wieder Schmerzen bereiten konnte.

Sie nahm die Pistole ihres Vaters, eine 9 mm, aus dem Nachtschränkchen und versteckte sie dort, wo sie sie während ihrer "Übungen" schnell zur Hand hatte - unter ihrem "Sponge-Bob"-Kopfkissen in ihrem Bett.

Zunächst verhielt sie sich wie immer. Sie wartete auf den Moment, in dem er ihr schutzlos ausgeliefert war. Dieser war gekommen, als er sich über sie beugte und sich daran machte in sie einzudringen.

Genau in diesem Moment holte sie die Waffe hervor. Ihr Vater hatte sie einmal mit auf den Schießstand genommen. Sie wusste also was sie tat. Herr B. war viel zu beschäftigt um zu merken, dass er bald sterben würde.

Sie drückte ab. Noch im selben Moment spürte sie den Rückschlag der Waffe. Gleichzeitig wusste sie, dass die Kugel ihr Ziel erreichen würde.

Sekundenbruchteile später durchbohrte sie den Schädel von Herrn B. Das Blut spritze Jenny in die Augen. Reflexartig schloss sie diese. Ihr ganzes Gesicht war voll mit der warmen Flüssigkeit.

Herr B.s sank auf ihr nieder. Die Pistole fiel ihr aus der Hand und auf den Boden. Weil sie zu schwach war, musste sie es lange, sehr lange, ertragen, so zu liegen.

In dieser Position fanden Jennys Eltern sie Stunden später. Der leblos Herr B. mit runtergezogener Hose auf ihrer 12-jährigen Tochter. Beide vom Blut aus Herrn B.s Kopfwunde überströmt. Sofort zogen sie die Leiche herunter.

Und genau in diesem Moment schlief Jenny ein. Es war vorbei. Zum ersten Mal seit fünf Jahren hatte sie keine Schwierigkeiten einzuschlafen. Keine von Schuldgefühlen zerfressenen Alpträume.

Sie träumte den Traum einer glücklichen Kindheit.

Diesen Traum träumt sie auch heute noch. Jede Nacht.

Aber keiner kann ihr ihre Kindheit zurückgeben.

Und alles fing an, mit dem Netten Mann von nebenan.

11.10.07 18:34, kommentieren

Mal schaun...

... wer errät, um welches Thema es sich bei meinem nächsten (dann auch wieder ausführlicheren) Post dreht.

So no one told you life was gonna be this way

Your job's a joke, you're broke,your love life's DOA*

It's like you're always stuck in second gear

When it hasn't been your day,

your week, your month, or even your year, but...

I'll be there for you (When the rain starts to pour)

I'll be there for you (Like I've been there before)

I'll be there for you ('Cause you're there for me too)

16.10.07 23:29, kommentieren

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